Um beim Thema des letzten Eintrages zu bleiben: nach langen, trüben Wintern gleicht sich der Geist oft genug der Umwelt an. Weiß und rein, konturlos leer ist er, wenn seine Produktivität allein an die Anschauung gebunden ist, die über Wochen nichts als stechend helles Weiß und nicht einmal das fassen konnte. So auch im Umgang mit den Menschen. Wie soll man singen, was man nicht mehr kennt, was über die Phase der Sehnsucht hinaus schon ins Vergessen zu gleiten droht?
Es reicht schon die Ahnung neuer Blüte, verborgenen Lebens unter all dem Immergleichen, um die Worte zurück in die Hand zu locken.
Dieses Sonett ist vor drei Jahren in einer solchen Zeit der sich langsam füllenden Leere entstanden. Zwischen Winter und Frühling.
Vom Fehlen der Worte
Noch dringen keine Wurzeln in dich ein,
Die sonnenscheingetäuscht blind um sich greifen,
In ihrem Wunsch für Jemanden zu reifen;
Sie finden nur ein frostgeschrieben 'nein'
Im blassen Angesichte deiner Haut.
Von keinen Farben lässt du dich beschreiben,
Erinnerungen können dich nicht kleiden,
Dein Wesen wird im Rausch der Welt nicht laut.
Fänd Ruhe ich, dein stilles Herz zu fassen,
An meinem Klang es teilhaben zu lassen,
Ein Doppelschlag, der beide gleich bewegt:
Wer könnte jene Farben jemals hassen,
Das Blütenmeer, das unser Träumen hegt?
Die Ruhe such ich, die mich – uns – heimwärts trägt.
Mittwoch, 15. Februar 2017
Sonntag, 22. Januar 2017
Dichterwerkstatt: Wintermorgen (Fragment)
Was Einem auf der morgendlichen Fahrt durchs verschneite Dresdner Umland auf dem Weg zu einer Prüfung nicht alles in den Sinn kommt...
Wintermorgen (Sonett-Fragment)
Die Nacht hat alle Blicke leergewaschen,
Hat alle Farben aus dem Raum gewischt
Und alles Dunkel, das im Licht erlischt,
Hat keine Schatten in den offnen Taschen.
Wintermorgen (Sonett-Fragment)
Die Nacht hat alle Blicke leergewaschen,
Hat alle Farben aus dem Raum gewischt
Und alles Dunkel, das im Licht erlischt,
Hat keine Schatten in den offnen Taschen.
Montag, 27. April 2015
Sehnsucht
Sehnsucht
Der Abendhimmel glüht, die Flamme ist zu ahnen,
So nah am Horizont, dass er zur Wunde keimt
Von unsichtbarem Schlage, unbemerkt beweint
Von frühen Sternen dort auf ihren Tränenbahnen.
Darunter, ruhlos, regt sich Einsamkeit im Traum,
Spannt sich ein Blick in die bedeutungslose Ferne
Der Sehnsucht aus, in jenen hoffnungsvollen Raum,
Den ganz ein Herz umfasst, im Untergang der Wärme
Noch einmal diesen Tag durchs Innerste zu führen,
Den höchsten Augenblick für alle Zeit zu spüren.
Der Abendhimmel glüht, die Flamme ist zu ahnen,
So nah am Horizont, dass er zur Wunde keimt
Von unsichtbarem Schlage, unbemerkt beweint
Von frühen Sternen dort auf ihren Tränenbahnen.
Darunter, ruhlos, regt sich Einsamkeit im Traum,
Spannt sich ein Blick in die bedeutungslose Ferne
Der Sehnsucht aus, in jenen hoffnungsvollen Raum,
Den ganz ein Herz umfasst, im Untergang der Wärme
Noch einmal diesen Tag durchs Innerste zu führen,
Den höchsten Augenblick für alle Zeit zu spüren.
Sonntag, 20. Juli 2014
Wanderers Herz
Einen Tag, einige Stunden nur zwischen den Feldern zu verbringen, wie sich der Staub bei jedem Schritt auf die Füße legt und den Blick nach oben zieht, zwischen die Obstbäume am Rand und vorbei an einzelnen Strohhügeln, die vom baldigen Herbst künden; noch nicht. Der Frühling hebt uns, der Sommer hält uns mit süßen Versprechungen am Boden, eh der Herbst uns die Sehnsucht zurückbringt. Das Jahr als Tag, den wir durchwandern müssen.
Wanderers Herz
Der Sommer hebt sich auf, grad über jene Weiten,
Wo bläuend aufgelöst in Weiß der Tag noch steht
Den Morgen zu erinnern, eh der Mittag geht --
Und lässt die Schwalben überm Ährenmeere gleiten,
Wo Silbergischt den Wind in sanften Wogen flieht.
Da ist kein Küstenband, kein Stein, an dem sie brechen,
Nur endlos Brudermeer aus artverwandten Flächen,
Das keinen Halt dem Wandrer zwischen ihnen gibt
Als jenes schmale Band, das ihm sein Blick bereitet';
Doch der verschwimmt im Licht, das in den Abend gleitet,
Das übers sonnenreife Grün ein Banner legt
Aus fahlem Rot und Blau, in das die Nacht sich kleidet.
Da klagt des Wandrers Herz, das für die Dämmrung schlägt:
Wär sie nur ewig!, Liebende, die ihn begleitet.
Wanderers Herz
Der Sommer hebt sich auf, grad über jene Weiten,
Wo bläuend aufgelöst in Weiß der Tag noch steht
Den Morgen zu erinnern, eh der Mittag geht --
Und lässt die Schwalben überm Ährenmeere gleiten,
Wo Silbergischt den Wind in sanften Wogen flieht.
Da ist kein Küstenband, kein Stein, an dem sie brechen,
Nur endlos Brudermeer aus artverwandten Flächen,
Das keinen Halt dem Wandrer zwischen ihnen gibt
Als jenes schmale Band, das ihm sein Blick bereitet';
Doch der verschwimmt im Licht, das in den Abend gleitet,
Das übers sonnenreife Grün ein Banner legt
Aus fahlem Rot und Blau, in das die Nacht sich kleidet.
Da klagt des Wandrers Herz, das für die Dämmrung schlägt:
Wär sie nur ewig!, Liebende, die ihn begleitet.
Dienstag, 13. Mai 2014
Vom Licht
Selten ist ein solcher Frühlingsmorgen: Schwer und feucht stehen die Bäume im Nebel, der gerade erst von der Sonne gelichtet wird und noch seinen schweren Duft, kühle Nachterinnerungen und Tageswünsche, durch das eben geöffnete Fenster in Schüben wehen kann, der schlaftrunkenen Müdigkeit zu wehren. Das ist ein paar Zeilen wert:
Vom Licht
Der erste Blick geht aus gelehntem Fenster
Hinaus ins Grün, das silberfeuchte Luft
Am Boden hell verschleiert; herber Duft
Dringt durch den Spalt, Aromanachtgespenster.
Die Stille ist mit keinem Sinn zu greifen:
Das Wasser schluckt den feuerbergend Klang,
Sie hält den Wind in seinem Wellengang;
Lässt Träume noch im Sonnenwandel reifen.
Dann hebt der Dunst sich golddurchbrochen auf,
Wirft alte Muster durch das Glas ins Zimmer,
Wo sie am Boden tanzen; matter Schimmer
Umgibt sie ganz im sonnenspiegelnd Lauf,
Und aus dem Dämmerschein des Morgens bricht
Im Innern wie im Äußern nun das Licht.
Vom Licht
Der erste Blick geht aus gelehntem Fenster
Hinaus ins Grün, das silberfeuchte Luft
Am Boden hell verschleiert; herber Duft
Dringt durch den Spalt, Aromanachtgespenster.
Die Stille ist mit keinem Sinn zu greifen:
Das Wasser schluckt den feuerbergend Klang,
Sie hält den Wind in seinem Wellengang;
Lässt Träume noch im Sonnenwandel reifen.
Dann hebt der Dunst sich golddurchbrochen auf,
Wirft alte Muster durch das Glas ins Zimmer,
Wo sie am Boden tanzen; matter Schimmer
Umgibt sie ganz im sonnenspiegelnd Lauf,
Und aus dem Dämmerschein des Morgens bricht
Im Innern wie im Äußern nun das Licht.
Sonntag, 5. Januar 2014
Neujahr
Hinauf ins Schwarz der neujahrstagend Nacht,
Hinauf, hinauf, und flammenreich entfacht!
Gehobner Blick, vergessen sind die Mühen,
Die hoffnungsvoll im Nebel dort verglühen.
Dienstag, 26. November 2013
Prager Eindrücke II
Es ist einer jener Momente, die sich nur jemand ausgedacht haben kann, so selten, dass man augenblicklich verharren muss, um sich der Welt, dem Schicksal, was auch immer in diesem Moment so schwer auf dem Herzen liegen mag, bewusst zu werden. Der zweite Prager Eindruck:
Gassenleben
Unaufhörlich dröhnt und summt und blitzt und leuchtet und duftet und drängt es von allen Wänden, von allen hohlen Dächern und gefüllten Scheiben, die uns engen, unaufhörlich treibt uns der stockende Gang der Mit-Menschen weiter durch die Straßen, Gassen, Läden, Zelte, als gebe es weder Außen noch Innen, Aus noch Ein, bis die Sinne nichts mehr halten.
Ungenutzt scheint nichts in diesem Meer aus Wunsch und Verlangen, nicht gefragt, genötigt, verführt nirgends eine Ruhe versprechende Stelle zu sein zwischen Nippes und Mode und Bratwerk und Plakaten und anderem Tand und hastig versprühten Botschaften an Eingeweihte nur oder ans Nichts;
Bis der Blick in eine Gasse fällt.
Der Strom verstummt vor diesem Bild; eine alte Frau schiebt sich, den Kopf gesenkt, kaum sichtbar, die Hände in den Taschen der mit vernachlässigten Wänden verschmelzenden Jacke schwerfüßig über das Pflaster; das nebeltrübe, dunkle Licht der Laternen durchscheint, schüttert seltsam ihr Haar, wirft ihre Schatten um sie, als benötige sie keine mehr, leuchtet ihr barmherzig doch sparsam Meter für Meter den Weg vom Gaukelleben der Straße hinter ihr, denn hier zeigt es sich erst, wie es wirklich ist: im unbedeutenden Gang durch die nächtliche Gasse nach Hause. Doch bald ist es das nicht mehr, verharrt im betroffenen Blick des Betrachters, bannt sich das Bild zum Symbol, zieht es ins Ewige fort und verweigert der heimwärts schwindenden Alten, Gedanke geworden, den Abschied. Bis beide vollends im Nebel verschwinden.
Prager Eindrücke I
Seh ich an jene Wand, ahn' ich den Mensch dahinter; zumindest ist es so, eh die Zeit knapper und knapper zu werden scheint und die Blicke flüchtiger. Wir sollten uns mehr Zeit nehmen für Dinge, die uns wichtig sind.
Deshalb folgt nun die erste Stimme eines Duettes, entstanden auf einer Reise nach Prag, zu der ich kürzlich mit Freunden aufbrach. Ich schätze, der die Stadt an jenem Wochenende beherrschende Nebel hat sich trübend, doch auch fokussierend, auf sie gelegt:
Vom Zustand der Fassaden
Sie holt uns nicht mehr ein, nie mehr.
Erstarrt zum bloßen Blickfang steten Knopfgewitters, langsam ergrauend vom Abrieb anhaltenden Verkehrs, den sie trägt, engt sie uns ein, scheinbar; nein, gibt uns längst vergessenen, entbehrten Rahmen, oberflächlich gleichwohl, jederzeit wahllos auffüllbar, so leer, so hohl geworden.
Bisweilen zerbrochen; hier und da ersetzt einen Zahn im Kiefer der Stadtgeschichte betoniertes, gläsernes Amalgam, von Lichtplatten überzogen scheint es stolz seine historische Unzulänglichkeit über den alten verkommend-natürlichen, abgasigen Glanz seiner Stiefbrüder zu werfen gleich einem unheilvollen Spiegel.
Denn auch sie sind schon hohl, Hülle, Relief allein, allein von Konsum noch am Leben erhaltene, betäubte Wurzel, solange die Taschen noch gefüllt werden können aus diesem Nichts. Wie paradox.
Die letzten Gesunden, in Seitengassen versteckt wie die großen Weisen noch undurchbrochen im Zahnfleisch, wie anachronistisch muten sie an, wenn die Neugier sie gleich einem dumpfen Schmerz ins Bewusstsein rückt, dass es dem stillen Betrachter nach
Smoking und Zylinder
Dreiteiler und Melone
Abendkleid und ausladendem Hut
Drink und Cigarre
Tanzkarten und Taxis
Boas und Parfum
Schönheitsfleck und Schnauzbart
nach ehrerbietenden Obern verlangt, mit denen man nach schicksalsschwerer Nacht, bar-trunken, doch längst schon gut Freund ist wie mit dem Liebchen im Hinterzimmer, deren Liebe flüchtig und anhaltend zugleich ist. Wie paradox.
Traurig, diese schleichende Selbstvergiftung der Fassaden, die sich in Panoramafenstern im Vorübergehen spiegeln, die nicht geschaffen sind für die defizitäre Aufmerksamkeitsspanne des endlosen Stroms, den sie tragen und der sie trägt. Sie finden täglich ungewollt, ungefragt, tausendfach ihr Grab auf Negativen, Speicherkarten, unbetrachtet durch Sucher und Bildschirm und Objektiv und Brillenglas und Linse, ungeschätzt, vergessen, bis jemand gleich einem Kriminalkommissar den Verdächtigen zu erkennen sucht, wiederverwertet, ausgestellt im Netz.
Kein Herz liegt in dem Blick, der sie noch trifft.
Deshalb folgt nun die erste Stimme eines Duettes, entstanden auf einer Reise nach Prag, zu der ich kürzlich mit Freunden aufbrach. Ich schätze, der die Stadt an jenem Wochenende beherrschende Nebel hat sich trübend, doch auch fokussierend, auf sie gelegt:
Vom Zustand der Fassaden
Sie holt uns nicht mehr ein, nie mehr.
Erstarrt zum bloßen Blickfang steten Knopfgewitters, langsam ergrauend vom Abrieb anhaltenden Verkehrs, den sie trägt, engt sie uns ein, scheinbar; nein, gibt uns längst vergessenen, entbehrten Rahmen, oberflächlich gleichwohl, jederzeit wahllos auffüllbar, so leer, so hohl geworden.
Bisweilen zerbrochen; hier und da ersetzt einen Zahn im Kiefer der Stadtgeschichte betoniertes, gläsernes Amalgam, von Lichtplatten überzogen scheint es stolz seine historische Unzulänglichkeit über den alten verkommend-natürlichen, abgasigen Glanz seiner Stiefbrüder zu werfen gleich einem unheilvollen Spiegel.
Denn auch sie sind schon hohl, Hülle, Relief allein, allein von Konsum noch am Leben erhaltene, betäubte Wurzel, solange die Taschen noch gefüllt werden können aus diesem Nichts. Wie paradox.
Die letzten Gesunden, in Seitengassen versteckt wie die großen Weisen noch undurchbrochen im Zahnfleisch, wie anachronistisch muten sie an, wenn die Neugier sie gleich einem dumpfen Schmerz ins Bewusstsein rückt, dass es dem stillen Betrachter nach
Smoking und Zylinder
Dreiteiler und Melone
Abendkleid und ausladendem Hut
Drink und Cigarre
Tanzkarten und Taxis
Boas und Parfum
Schönheitsfleck und Schnauzbart
nach ehrerbietenden Obern verlangt, mit denen man nach schicksalsschwerer Nacht, bar-trunken, doch längst schon gut Freund ist wie mit dem Liebchen im Hinterzimmer, deren Liebe flüchtig und anhaltend zugleich ist. Wie paradox.
Traurig, diese schleichende Selbstvergiftung der Fassaden, die sich in Panoramafenstern im Vorübergehen spiegeln, die nicht geschaffen sind für die defizitäre Aufmerksamkeitsspanne des endlosen Stroms, den sie tragen und der sie trägt. Sie finden täglich ungewollt, ungefragt, tausendfach ihr Grab auf Negativen, Speicherkarten, unbetrachtet durch Sucher und Bildschirm und Objektiv und Brillenglas und Linse, ungeschätzt, vergessen, bis jemand gleich einem Kriminalkommissar den Verdächtigen zu erkennen sucht, wiederverwertet, ausgestellt im Netz.
Kein Herz liegt in dem Blick, der sie noch trifft.
Freitag, 15. November 2013
Novembernebel
Es ist schön, auf einer längeren Zugfahrt sein Notizbuch aufzuschlagen, ein unfertiges Sonett vom letzten Februar zu finden und es mit den letzten beiden Versen fertig zu stellen - und wenn es dann noch zu den Umständen passt, es nicht länger warten zu lassen.
Am Ende des Jahres, im Ausklang des goldenen Herbstes, gibt es nichts Schöneres als vom hellgoldenen Morgenlicht durchleuchteter Nebel, der sich über restgrüne Felder und Wiesen und zwischen das letzte bunte Laubwerk der Bäume legt. Hier ist es:
Novembernebel
Vom Boden hebt sich leichter Nebel ab,
Als würde Schnee noch über seinem Ende
Im Glanz des Morgens tanzen, so als fände
Kein Halm, kein Zweig er, den noch nichts umgab.
Wohl spiegelt sich in ihm ein kühles Leuchten,
Das aus der Nacht ins blaue Meer getaucht,
An dessen Rand sich eine Wolke staucht,
Die noch vom Fallen kündet, einem Feuchten,
Das tief im Innersten erstarrt als Kunst,
Als wahres Bild den Weg zum Boden findet.
Fährt nun der Blick hindurch, wird es zu Dunst,
Der bald im fahlen Morgenlicht verschwindet;
Der Herbst erweist uns eine letzte Gunst,
Wie er den Blick an die Erinnrung bindet.
Am Ende des Jahres, im Ausklang des goldenen Herbstes, gibt es nichts Schöneres als vom hellgoldenen Morgenlicht durchleuchteter Nebel, der sich über restgrüne Felder und Wiesen und zwischen das letzte bunte Laubwerk der Bäume legt. Hier ist es:
Novembernebel
Vom Boden hebt sich leichter Nebel ab,
Als würde Schnee noch über seinem Ende
Im Glanz des Morgens tanzen, so als fände
Kein Halm, kein Zweig er, den noch nichts umgab.
Wohl spiegelt sich in ihm ein kühles Leuchten,
Das aus der Nacht ins blaue Meer getaucht,
An dessen Rand sich eine Wolke staucht,
Die noch vom Fallen kündet, einem Feuchten,
Das tief im Innersten erstarrt als Kunst,
Als wahres Bild den Weg zum Boden findet.
Fährt nun der Blick hindurch, wird es zu Dunst,
Der bald im fahlen Morgenlicht verschwindet;
Der Herbst erweist uns eine letzte Gunst,
Wie er den Blick an die Erinnrung bindet.
Donnerstag, 10. Oktober 2013
Von welken Blättern und Steinen
Es wird Herbst, und ich könnte nun die ganzen ästhetischen Stereotypen aufzählen, das welke Laub, das faule Obst (nichts riecht wunderbarer zu dieser Zeit), die Überreife des Jahres, die sich auf das Gemüt, in die Herzen legt und Wehmut ausschüttet über alle Gedanken und Handlungen, die das ausklingende Jahr (ausklingend, denn bald sind wir wieder vogelfrei, buchstäblich), unbewusst fast, feiern. Aber das wäre doch zu offensichtlich.
Nichts kann dennoch näher liegen, als an die Vergänglichkeit zu erinnern mit einem kleinen Sonett, entstanden und Bezug nehmend auf den vermeintlich ruhigsten Ort in der modernen Siedlungs-Hektik, das Heiligtum modernen Eremitenlebens, Hain der letzten Selbstbesinnung (näher werde ich es nicht benennen):
Von welken Blättern und Steinen
Es irrt mein Blick noch zwischen jenen Steinen,
Die, Buch geworden, Lebensträger sind.
Nichts täuscht mich mehr, nichts kann mir anders scheinen,
Als was in Stein ich eingemauert find.
Dort hebt sich überm Grün gepflegter Wiese
Ein Relief aus weiten Flügeln auf!
Dort senkt sich, unbemerkt nur, klein, kein Riese,
Ins Blütenmeer ein stilles Flüstern auch.
Und neben jenen atemlosen Schemen,
Wo unbewegt ein ewig Friede ruht,
Bin ich kein Gegensatz, der Unrecht tut:
Von diesem Ort lässt sich nichts weiter nehmen,
Als Stille, Ruhe, jener so bequemen,
Wie Sehnsucht schweigt vorm letzten, höchsten Gut.
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